Die Krankenkasse sieht eine Lücke zwischen zwei AU-Zeiträumen. Prüfen Sie zuerst, ob die ärztliche Feststellung verspätet war oder lediglich ein bereits ausgestellter Nachweis fehlt. Gerade nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses sind Versicherungsstatus, Zahlung und mögliche Ausnahmen getrennt zu klären.

Ärztliche Feststellungslücke, fehlende vertragsärztliche eAU-Übermittlung und rechtzeitigen Praxisbesuch getrennt prüfen.
Ein fehlender Datensatz und ein verspäteter Arztkontakt verlangen unterschiedliche Nachweise.

Welche Art von Lücke meldet die Krankenkasse?

ProblemErste Prüfung
Weitere AU erst spät festgestelltAU-Ende, tatsächliches Feststellungsdatum, § 46 und Versicherungsstatus.
AU rechtzeitig festgestellt, eAU fehltVertragsarzt, Übermittlungspflicht und § 49 Absatz 1 Nummer 5.
Rechtzeitiger Praxisbesuch, späterer TerminKontakt und Verzögerungsgrund belegen; BSG-Ausnahme prüfen.

§ 46 SGB V betrifft die Entstehung und Fortsetzung des Krankengeldanspruchs, § 49 SGB V dessen Ruhen. Ein fehlender Zahlungseingang beantwortet deshalb noch nicht, welche Voraussetzung die Kasse bestreitet. Bitten Sie um die konkreten Tage und die herangezogene Vorschrift. Die Grundvoraussetzungen stehen in § 44 SGB V; dieser Ratgeber setzt einen grundsätzlich bestehenden Krankengeldanspruch voraus. (Normen geprüft: 14.10.2026.)

Bis wann muss die weitere Arbeitsunfähigkeit festgestellt sein?

Bei derselben Krankheit verlangt § 46 Satz 2 SGB V grundsätzlich die weitere ärztliche Feststellung spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende. Samstage zählen hierfür nicht als Werktage. Endet die letzte AU an einem Freitag, ist der folgende Montag ohne dazwischenliegenden Feiertag grundsätzlich der maßgebliche nächste Werktag. Planen Sie den Termin trotzdem vorher. (Norm geprüft: 14.10.2026.)

Notieren Sie drei verschiedene Daten: bescheinigter AU-Beginn, bescheinigtes Ende und tatsächliche ärztliche Feststellung. Ein rückwirkend eingetragener Beginn allein ersetzt die Anschlussprüfung nicht. Eine reine Terminanfrage ist noch keine Feststellung; eine zulässige ärztliche Feststellung über einen anderen Kontaktweg muss anhand ihres tatsächlichen Inhalts geprüft werden. Verändern Sie keine Bescheinigung selbst. (Zum Feststellungserfordernis: § 46 Satz 1 Nummer 2 und Satz 2, geprüft: 14.10.2026.)

Besteht Ihr Arbeitsverhältnis noch, bleiben die Mitteilungen an den Arbeitgeber nach § 5 EntgFG gesondert zu erfüllen. Die eAU ersetzt die unverzügliche Information über den weiteren Arbeitsausfall nicht. Den allgemeinen Ablauf erklärt Krankmeldung und eAU. Die Krankengeldfrist sollte nicht mit einer betrieblichen Nachweisfrist gleichgesetzt werden. (Norm geprüft: 14.10.2026.)

Was schützt die Monatsregel nach dem Jobende?

§ 46 Satz 3 SGB V enthält einen besonderen Schutz für Versicherte, deren Mitgliedschaft nach § 192 Absatz 1 Nummer 2 SGB V vom Krankengeldanspruch abhängt. Bei fortdauernder AU wegen derselben Krankheit kann der Anspruch erhalten bleiben, wenn die weitere Feststellung zwar später als am nächsten Werktag, aber innerhalb eines Monats nach dem zuletzt bescheinigten Ende erfolgt. Ob Ihre Versicherung gerade hiervon abhängt, muss die Kasse anhand Ihres Status prüfen. Das Ende des Jobs allein genügt für diese Prüfung noch nicht. (Normen geprüft: 14.10.2026.)

Anspruchserhalt ist keine Zahlungsgarantie für die Zwischenzeit: Nach § 49 Absatz 1 Nummer 8 SGB V ruht in diesem Fall der Anspruch bis zur weiteren ärztlichen Feststellung. Fragen Sie deshalb getrennt nach der fortbestehenden Mitgliedschaft, den unbezahlten Tagen und der Zahlung ab der Folgefeststellung. Die Monatsregel ist keine allgemeine Erlaubnis, einen Monat mit dem Arztkontakt zu warten. (Norm geprüft: 14.10.2026.)

Ist die Feststellung bereits verspätet, organisieren Sie sie umgehend und lassen Sie die Monatsgrenze sowie mögliche Ausnahmen konkret prüfen. Bei längerem Abstand, einer anderen Krankheit oder einem anders begründeten Versicherungsverhältnis ist der Prüfweg ein anderer. Aus einer kurzfristigen Lücke darf umgekehrt nicht ungeprüft auf einen endgültigen Verlust jeder Absicherung geschlossen werden.

Fiktiver Fall: AU endet am 16. Oktober 2026, Folgefeststellung erst am 22. Oktober; ohne zusätzliche Ausnahme fünf unbezahlte Kalendertage mal erfundene 52 Euro ergeben 260 Euro.
Eigene vereinfachte Rechnung unter den ausdrücklich genannten Voraussetzungen des Monatsschutzes.

Eine fiktive Rechnung: Fünf Kalendertage statt drei Arbeitstage

Für dieses eigene vereinfachte Beispiel sei das Arbeitsverhältnis bereits beendet und die Mitgliedschaft vom Krankengeld abhängig. Entgeltfortzahlung sei beendet, die Krankheit dauere unverändert an und § 46 Satz 3 greife. Die letzte AU endet am Freitag, 16. Oktober 2026. Ohne Feiertag wäre Montag, 19. Oktober, der reguläre Anschluss. Tatsächlich erfolgt die weitere Feststellung erst Donnerstag, 22. Oktober. Ein zurechenbarer Praxisfehler oder eine andere zusätzliche Ausnahme sei ausgeschlossen.

Unter diesen Annahmen ruhte die Zahlung für 17. bis 21. Oktober: fünf Kalendertage. Bei einem frei erfundenen täglichen Auszahlbetrag von 52 Euro ergibt das 5 × 52 = 260 Euro. Bei rechtzeitiger Feststellung am Montag würde die Anschlussregel auch das Wochenende überbrücken. Die Zahl 52 ist kein gesetzlicher Satz und keine Aussage über Ihren Bruttoanspruch oder Ihre Abzüge. Krankengeld wird nach § 47 Absatz 1 SGB V für Kalendertage gezahlt. (Normen und Kalenderrechnung geprüft: 14.10.2026.)

Vergleichen Sie im echten Bescheid den tatsächlich ausgewiesenen Tagesbetrag, den letzten bezahlten Tag und den ersten wieder bezahlten Tag. Prüfen Sie besonders, ob die Kasse ein vollständiges Wochenende als Lücke zählt, obwohl eine rechtzeitige Folgefeststellung vorliegt. Eine Monatsgesamtsumme ohne Tagesübersicht macht den Einwand schwer nachvollziehbar.

Was gilt, wenn die Praxis mich rechtzeitig abgewiesen hat?

Im BSG-Urteil vom 21.09.2023 – B 3 KR 11/22 R suchte die Versicherte die Praxis persönlich am ersten maßgeblichen Tag zu üblichen Öffnungszeiten auf. Wegen hohen Patientenaufkommens erhielt sie erst später einen Termin; die weitere AU wurde dann festgestellt. Das BSG wies die Revision der Kasse zurück: Das rechtzeitige Bemühen konnte den Anspruch sichern. Maßgeblich waren Anliegen, Besuch, feststehende fortdauernde AU und die zurechenbare Verzögerung. (Leitsatz und Entscheidungsgründe, insbesondere Abschnitte 5–6, im amtlichen Original gelesen: 14.10.2026.)

Der Fall betrifft 2018 und die Rechtslage vor dem späteren Monatsschutz. Er ist keine pauschale Nachzahlungsgarantie bei jedem verpassten Termin. Dokumentieren Sie, wann Sie mit welchem Anliegen die Praxis aufgesucht haben, wer den späteren Termin gab und weshalb. Bitten Sie um eine Bestätigung tatsächlicher Vorgänge. Eine frei erfundene Kontaktgeschichte oder ein beliebiger späterer Arztbesuch erfüllt diese Voraussetzungen nicht.

eAU wurde nicht gesendet: Muss ich deshalb auf Geld verzichten?

Die fehlende Übermittlung einer rechtzeitig vertragsärztlich festgestellten AU ist ein eigener Fall. Nach dem BSG-Urteil vom 30.11.2023 – B 3 KR 23/22 R ruht der Krankengeldanspruch nicht allein deshalb, weil der Vertragsarzt seine seit 01.01.2021 geltende elektronische Übermittlungspflicht nicht erfüllt. Das BSG bestätigte die Zahlung für den streitigen Zeitraum 2021 und wies die Revision der Kasse zurück. (Amtliches Original, Leitsatz und Entscheidungsgründe, gelesen: 14.10.2026.)

Die aktuelle Grundlage steht in § 49 Absatz 1 Nummer 5 zusammen mit § 295 Absatz 1 SGB V. Übertragen Sie die Entscheidung nicht automatisch auf Feststellungen durch nicht teilnehmende Privatärzte oder nicht angeschlossene Einrichtungen; prüfen Sie deren Melde- und Übermittlungspflichten separat. Vor allem ersetzt die eAU-Regel keine tatsächlich fehlende rechtzeitige Feststellung nach § 46. (Normen geprüft: 14.10.2026.)

Praktisch helfen Ihre Ausfertigung mit Feststellungsdatum, die Bestätigung der Praxis und die Rückfrage bei der Kasse, welche Daten ihr fehlen. Fordern Sie die Klärung und gegebenenfalls erneute Übermittlung an. Die Abstimmung kann die Bearbeitung beschleunigen; sie ist keine Anerkennung, dass eine fehlende eAU den Zahlungswegfall rechtfertigt.

Ablehnungsbescheid: Zwei verschiedene Monatsfristen auseinanderhalten

Die Monatsgrenze für die Folgefeststellung knüpft an das zuletzt bescheinigte AU-Ende an. Die Widerspruchsfrist gegen einen Bescheid ist etwas anderes: Nach § 84 Absatz 1 SGG gilt grundsätzlich ein Monat ab Bekanntgabe; bei Bekanntgabe im Ausland drei Monate. Fehlende oder unrichtige Rechtsbehelfsbelehrungen sind nach § 66 SGG gesondert zu prüfen. Nutzen Sie einen zulässigen Einreichungsweg und sichern Sie den Eingang. Eine gewöhnliche E-Mail sollten Sie nicht ungeprüft als formwirksam behandeln. (Normen geprüft: 14.10.2026.)

Ein eigener kurzer Entwurf: „Hiermit lege ich Widerspruch gegen den Bescheid vom [Datum], bekannt gegeben am [Datum], ein. Betroffen sind die Krankengeldtage [Zeitraum]. Bitte prüfen Sie [rechtzeitige Feststellung / § 46 Satz 3 und Mitgliedschaft / dokumentierte Praxisverzögerung / fehlende vertragsärztliche Übermittlung]. Die Begründung und tatsächlichen Nachweise füge ich bei beziehungsweise reiche ich nach.“ Verwenden Sie nur die tatsächlich passende Alternative und reichen Sie die Nachweise zeitnah ein.

  • Alle AU-Ausfertigungen mit Beginn, Ende und Feststellungsdatum chronologisch ordnen.
  • Vertragsende, Versicherungsmitteilungen und letzten Krankengeldbescheid ergänzen.
  • Praxisbesuch, Termin, Ablehnungsgrund und Übermittlung getrennt belegen.
  • Kasse um Tagesberechnung und getrennte Entscheidung zur Mitgliedschaft bitten.
  • Bekanntgabe des Bescheids und fristgerechten Eingang des Widerspruchs dokumentieren.
  • Bei Streit oder akuter Finanzierungslücke früh sozialrechtliche Beratung einbeziehen.

Eine ausbleibende Krankengeldzahlung schafft nicht automatisch eine neue Lohnpflicht des Arbeitgebers. Für den anderen Zahlungsweg lesen Sie Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Bei umstrittenem Beweiswert nach Kündigung hilft Krankschreibung nach Kündigung; das ist von einer ärztlichen Feststellungslücke zu unterscheiden.

Häufige Fragen

Darf ich für die Folgebescheinigung einen Monat warten?

Das ist keine allgemeine Frist. Grundsätzlich zählt der nächste Werktag, Samstage ausgenommen. Die besondere Monatsregel betrifft eine bestimmte vom Krankengeld abhängige Mitgliedschaft und schützt die Zwischenzahlung nicht automatisch.

Zählt ein Samstag als nächster Werktag?

Für den Anschluss nach § 46 Satz 2 SGB V ausdrücklich nicht. Endet die AU freitags, ist ohne Feiertag grundsätzlich Montag maßgeblich.

Schützt die Monatsregel auch die Zahlung?

Sie kann den Anspruch und die davon abhängige Mitgliedschaft erhalten. Für die Zwischenzeit sieht § 49 Absatz 1 Nummer 8 grundsätzlich Ruhen vor; zusätzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.

Die Praxis gab mir erst später einen Termin. Was belege ich?

Dokumentieren Sie den rechtzeitigen persönlichen Besuch, Ihr Anliegen, übliche Öffnungszeit, Verzögerungsgrund und spätere Feststellung. Der erläuterte BSG-Fall ist keine Garantie für jeden späteren Arztkontakt.

Die Kasse findet keine eAU. Ist mein Geld deshalb weg?

Eine fehlende vertragsärztliche Übermittlung rechtfertigt nach der erläuterten BSG-Entscheidung keinen alleinigen Zahlungsstopp. Rechtzeitige ärztliche Feststellung und der anwendbare Übermittlungsweg sind trotzdem gesondert zu prüfen.

Welche Frist gilt gegen den Ablehnungsbescheid?

Grundsätzlich ein Monat ab Bekanntgabe nach § 84 SGG. Bekanntgabe im Ausland und fehlende oder falsche Rechtsbehelfsbelehrungen brauchen eine gesonderte Prüfung. Das ist eine andere Frist als die Monatsregel für die AU.

Geprüfte Grundlagen

Gesetze und Rechtsprechung

Quellenstand: 14.10.2026